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Zeitenwende 2020: Wird diesmal alles anders?

Onlinekonferenz, 25. September 2020, 9:30 Uhr bis 17:15 Uhr
Veranstalter:
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW)

Die Corona-Pandemie bedroht die Gesundheit von Millionen Menschen und überlastet Versorgungssysteme weltweit. Die gekoppelte Gesundheits- und Wirtschaftskrise zeigt die Bruchstellen unserer sozio-ökonomischen Strukturen und macht deutlich: Unser äußerst ausdifferenziertes und auf kurzfristige Effizienz und Wachstum getrimmtes Wirtschaftssystem ist hochfragil. Wird diese Krisenerfahrung andere, resilientere Lebens- und Wirtschaftsweisen fördern, wird 2020 eine Zeitenwende für gutes Leben, Umwelt und Klima?

In 2020 werden die Weichen gestellt für das beginnende Jahrzehnt und weit darüber hinaus. Wir möchten mit Ihnen diskutieren: Wird diesmal alles anders?

Vor Corona haben die Klima- und die Biodiversitätskrise viele Menschen bewegt. Sozial-ökologische Transformationskonzepte wurden breiter als zuvor diskutiert. Für viele Menschen war klar: Ohne systemische Neuorientierungen, ohne die Überwindung der scheinbar unverrückbaren Pfadabhängigkeiten finden wir keine Wege aus den akuten ökonomischen und ökologischen Krisen. Ein „Weiter wie bisher“ wie nach der Finanzkrise ist heute nicht mehr denkbar. Das Gelegenheitsfenster, mit mutigen Konzepten und Handlungsstrategien für resilientes Wirtschaften eine nachhaltige Zukunft zu gestalten, stand vielleicht noch nie so weit offen wie in diesem Jahr. Mut zum Machen ist gefragt wie selten.

Vorsorgeorientierung, Resilienz und Wachstumsunabhängigkeit

Das Institut und die Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung laden dazu ein, bei der Online-Tagung Zeitenwende 2020 Konzepte und konkrete Handlungsperspektiven für einen weitreichenden Wandel zu diskutieren. Die Tagung stellt die Konzepte Vorsorgeorientierung, Resilienz und Wachstumsunabhängigkeit sowie besonders nachhaltigkeitsrelevante Handlungsfelder in den Mittelpunkt der Diskussion – Energiewende, soziale Infrastrukturen und Versorgungssysteme, Care-Ökonomie, alternative Ökonomie-Ansätze und Digitalisierung. Ziel ist es, nachhaltige Transformationsstrategien zu entwickeln, die systemische Fragen aufwerfen – im Spannungsfeld von Markt und Staat sowie von Postwachstum und Green Growth.

Die Tagung verbindet aktuelle Forschungsbeiträge aus der (Post-)Wachstumsdebatte wie die vorsorgeorientierte Postwachstumsposition (Petschow et al. 2018; 2020), die internationale Transition-Forschung, die inter- und transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung sowie aktuelle umwelt- und wirtschaftspolitische Debatten wie sie zum europäischen Green Deal geführt werden.

Tagung Zeit und Nachhaltigkeit

Im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes Zeit-Rebound, Zeitwohlstand und Nachhaltiger Konsum findet vom 21. bis 22. Juni 2021 an der TU Berlin die Tagung Zeit und Nachhaltigkeit statt.

Hinter dem Einsatz effizienter Techniken und Praktiken in Arbeitswelt und Privatleben steht meistens die Erwartung, Zeit einzusparen. Trotzdem bleibt oft das Gefühl, insgesamt immer weniger Zeit zur Verfügung zu haben. Ein Grund ist, dass mehr Tätigkeiten in immer kürzerer Zeit und schneller wechselnder Abfolge erledigt werden. Der Einsatz „zeitsparender“ Techniken und Praktiken hat also oft die paradoxe Wirkung, Zeitnot zu erhöhen. Ein solcher Zeit-Rebound-Effekt kann sich wiederum negativ auf die Umwelt auswirken: Ist die Zeit „knapp“, werden schnelle, aber ressourcenintensive Konsumangebote wie Online Shopping und Inlandsflüge attraktiver. Zusätzlich belohnen sich viele Menschen mit dem Kauf von Konsumgütern, um einen Ausgleich zum dichten und belastenden Alltag zu finden. Für die eigentliche Nutzung dieser Dinge fehlt dann wiederum oft die Zeit. Die ungelesenen Bücher oder ungenutzten Fitnessgeräte können die erlebte Zeitnot sogar noch weiter erhöhen, indem sie uns als ungenutzte Möglichkeiten latent unter Druck setzen. Um sich diese Güter leisten zu können, ist ein gewisses Ausmaß an Erwerbsarbeit notwendig: eine Beschleunigungsspirale wird in Gang gesetzt. Allerdings können negative Umwelteffekte auch als Folge von zusätzlicher freier Zeit auftreten, zum Beispiel, wenn Arbeitszeitverkürzungen für ressourcenintensive Hobbies wie das Reisen genutzt werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Rahmenbedingen und Kompetenzen notwendig sind, damit sich Zeitwohlstand in nachhaltige Lebensweisen übersetzt.

Im Rahmen dieser inter- und transdisziplinären Tagung Zeit und Nachhaltigkeit soll die Bedeutung von Zeit für die Nachhaltigkeit des Konsums erörtert werden. Wir wollen einen pluralen Austausch zwischen allen Disziplinen, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Zeit und Nachhaltigkeit beschäftigen und (zeit-)politische Perspektiven sozialökologischer Gesellschaftsgestaltung aufzeigen. Wir laden daher zu empirischen und konzeptionellen Beiträgen und der Einreichung von Special Sessions ein.

Die Tagung stellt zugleich die Abschlusstagung des BMBF-Forschungsprojektes ReZeitKon „Zeit-Rebound, Zeitwohlstand und Nachhaltiger Konsum“ (www.zeit-rebound.de) sowie die Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik (www.zeitpolitik.de) und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (www.voew.de) dar. Die Mitgliederversammlungen finden zum Abschluss der Tagung statt. Gäste sind herzlich willkommen.

Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es hier.

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